Geschichtliche Ereignisse

Eisenbahn in Mauritius - Es hat sie wirklich gegeben!

Der letzte Passagierzug fuhr im Februar 1964 in Mauritius von Curepipe nach Port Louis. Danach wurde die Eisenbahn in Mauritius nach langer Zeit endgültig abgeschafft. Heutzutage lassen sich nur noch einzelne Beweise finden, die auf die Geschichte der mauritischen Eisenbahn hinweisen. Darunter fallen vereinzelnd archivierte Berichte und Fotos. Ohne es zu wissen würde man im Traum nicht darauf kommen, dass es auf der kleinen Insel Mauritius tatsächlich mal eine Eisenbahn gegeben hat.
Mitte des 19ten Jahrhunderts fängt die Geschichte der mauritischen Eisenbahn an. Zu der Zeit war Port Louis der Hafen für eine große Anzahl von Segelbooten und Dampfern. Somit war Post Louis bedeutend als Handelshafen nach der Eröffnung des Suez Kanals, der einen großen Einfluss auf die Handelsbeziehungen zwischen Europa und Asien hat. Die Eisenbahn war damals also ein wichtiges Transportmittel für Import- und Exportwaren zu denen damals schon primär der Zucker zählte. Im Jahr 1864, als die erste Eisenbahnstrecke in Mauritius eröffnet wurde, produzierte Mauritius schon jährlich 125.000 Tonnen Zucker. Dieser wurde bis zu dem Zeitpunkt noch mit Pferden und Maultieren die weiten Wege transportiert. Es gab sogar schon frühere Versuche ein Eisenbahnnetz in Mauritius in Betrieb zu nehmen. Unter anderem wurde versucht eine Eisenbahnstrecke zwischen Port Louis und Mahebourg mit weiteren Nebenstrecken zu anderen Orten der Insel in Betrieb zu setzen. Die damaligen Pioniere konnten ihr Konzept aufgrund mangelnder Unterstützung jedoch nicht umsetzen. Trotz alledem erbaute der Ingenieur Mr. deClosets in Grand Port eine kleine Eisenbahn mit einigen Dampfmaschinen und ein paar Wagons.
1856 wurde dann der erste handfeste Plan bei der Landwirtschaftskammer und darauf folgend beim Gouverneur eingereicht. Verschiedene Projekte wurden in den nächsten Jahren vorgeschlagen, wie auch unter anderem das Erbauen einer Hauptstrecke vom Norden, vorbei am Berg Le Pouce bis nach Mahebourg. Keiner dieser Pläne integrierte die Stadt Curepipe was unter anderem an der Topographie der Stadt liegt.

1859 gilt nun als das bedeutende Jahr der Eisenbahngeschichte von Mauritius. Hier kehrte sich das Blatt durch die Initiative des Gouverneurs Sir William Stevenson. Eine Studie wurde von ihm angeleitet und vom Ingenieur Longridge von Juli 1858 bis Februar 1858 durchgeführt. Durch diese Studie wurde belegt, dass die Zuckerplantagen große Probleme mit dem Transport hatten, da er bis dahin sehr kostenaufwendig und zusätzlich sehr risikoreich war. Dieses Ergebnis war ein ausschlaggebendes Kriterium für die Zustimmung zur Umsetzung und den Ausbau des Eisenbahnnetzes.
Ein anderer britischer Ingenieur wurde im März 1860 nach Mauritius gesendet um die Ergebnisse der Studie zu testen und zu kontrollieren. Er konkretisierte das Konzept und errechnete ein Budget von mehr als einer Millionen Pfund für den Ausbau der Nordstrecke, von Port Louis in den Norden, als auch die Umsetzung der Zentralstrecke, die das Zentrum von Mauritius verbinden soll. Jedoch wurden vom Colony Reserve Fund nur 200.000 Pfund bewilligt. Mit diesem Budget begann dann endlich im Januar 1862 der Ausbau.
Zu der Zeit gab es als Transportmittel in Mauritius gerade mal 4.500 Wägen, 4.000 Maultiere und etwa 2000 Pferde.

Die Eröffnung der ersten Eisenbahninie auf Mauritius
Die erste Linie, es war die Nordstrecke, wurde offiziell am 23 Mai 1864 eröffnet und in Betrieb genommen. Die Zentralstrecke wie auch der Hauptbahnhof in Port Louis waren zu der Zeit noch nicht einmal fertig erbaut.
Nur sechs Wochen später ereignete sich auch schon der erste Eisenbahnunfall in Pamplemousses. Die Bahn war voll mit Steinen beladen, als sie entgleiste. Bei diesem Unfall starb sogar eine Person und es gab mehrere Verletzte. Glücklicherweise beeinflusste der Unfall die Fortführung der Eisenbahnstrecken nicht ausschlaggebend und so wurden nach und nach Schienen durch ganz Mauritius verlegt. Um die Bahnhöfe herum entwickelten sich neue Dörfer und das Pfeifen der Dampfmaschinen wurde schnell zum gewöhnlichen Alltagsgeräusch der Insulaner. Die Eisenbahn wurde zu einem nicht mehr wegzudenkenden Teil Mauritius. Es wurden neue Jobs kreiert und die Anzahl der Passagiere wuchs über die Jahre.
Durch die Eröffnung der Zentralstrecke im darauf folgenden Jahr wurde die Entwicklung des Zentrums der Insel sogar beschleunigt. Die Fertigstellung der Strecke verzögerte sich letztendlich durch das Warten auf die Erbauung der Brücke über den Black River im Westen von Mauritius erheblich. Trotz alledem kann man sagen, dass sich das Konzept der Eisenbahn in Mauritius sehr zum positiven entwickelte. Laut dem Commercial Gazette war auch die Sicherheit der Passagiere abgesichert und die Züge hielten sich sogar an die Fahrpläne.
Nach einiger Zeit stellte sich jedoch heraus, dass sich die Eisenbahn als schwere Belastung der Öffentlichen Gelder entfaltete. Als Maßnahme darauf beschloss die Landwirtschaftskammer die Eisenbahn zu privatisieren.
Die Mauritian Govenment Railway baute die Eisenbahn zwischenzeitlich aus, so dass der Passagiertransport sowie auch der Warentransport für die Zuckerindustrie, die unter der Einführung der Eisenbahn deutlich angestiegen ist, zu den weiten Ecken des Landes gewährleistet war. Im Jahr 1876 wurde sogar die Hautstrecke zwischen Port Louis und Mahebourg bis nach Rivière Dragon und Rose Belle und zwei Jahre später sogar nach Souillac ausgebaut.
Eine weitere bedeutende Entwicklung passierte im Jahre 1880 mit der Eröffnung der Strecke zwischen dem Westen und dem Osten. Weitere Strecken wurden ans nationale Netzwerk angeknüpft wie die Linie Bois Cheri im September 1903, die Linie Port Louis nach Tamarin und die Linie Black River im August 1904. Mittlerweile deckte das Eisenbahnnetzwerk eine Gesamtstrecke von 156 Meilen ab. 1903 war aber auch ein bedeutendes Jahr der Autoindustrie. Das erste Auto wurde in Mauritius eingeführt und dieses zog natürlich Folgen für die Eisenbahn mit sich, welche sich dann auch schon einige Jahre später bemerkbar machten.

Von den glorreichen Tagen zur Schließung der Eisenbahn auf Mauritius
Während der Kriegsjahre ist die mauritische Eisenbahn noch effizient und profitbringend geblieben. Im Jahre 1917 allerdings gab es eine Verminderung der Qualität der Kohle. Als Konsequenz wurde der Passagierservice eingeschränkt und an Sonntagen wurde der Passagierbetrieb sogar vollkommen abgestellt. Es begannen dunkle Zeiten.
Die Fieberepidemie, die Mauritius im Jahr 1918 erreichte hatte ebenfalls großen Einfluss auf den Eisenbahnbetrieb auf der Insel. 60 % der Mitarbeiter waren gleichzeitig krankgeschrieben, wodurch natürlich der gesamte Betrieb darunter zu leiden hatte. Zehn Bahnhöfe mussten schließen und der Bahnbetrieb musste aufs Minimum reduziert werden. Das Sozial- und Wirtschaftsleben der Insel wurde komplett durcheinander gebracht. Dazu kam dann auch noch ein Streik der Eisenbahnmitarbeiter.
Und trotzdem versuchte die Eisenbahn den Betrieb bis in 1920er so gut es ging weiterzuführen. Trotzdem brachten darauf folgende Faktoren die Eisenbahn dazu, den Betrieb letztendlich komplett stillzulegen. Dazu gehörte einmal die wachsende Anzahl von Autos auf Mauritius, die von 1927 mit 1.600 Autos in 1963 auf 11.000 Autos angestiegen ist. Das wachsende Netzwerk des Straßentransports gab somit den letzten Anstoß der sich nach und nach entwickelnden Stilllegung der Eisenbahn.
Die Montagne Longue Linie wurde 1928 geschlossen gefolgt von der Black River Linie und der Rivière Sèche Linie im nächsten Jahr. Dennoch gaben die Manager des Eisenbahnnetzwerkes nicht auf. Somit wurde 1927 ein System aufgebaut, welches die Kontrolle und die Verbesserung des Eisenbahnverkehrs durch den Kontrollturm im Hauptquartier in Port Louis ermöglichte. Durch dieses System wurde ebenfalls der Informationsfluss effizienter gestaltet. Und trotzdem wurde die Finanzierung der Eisenbahn immer kritischer. Verschiedenste Optionen wurden in Betracht gezogen. Auch wenn zum Beispiel eine Studie von 1907 als Ergebnis empfohlen hat, die Motoren zu standardisieren und zu elektrisieren, so berichtete der Report von 1911, dass die wachsende Anzahl von Autos und die Auswirkungen der auf Mauritius vorkommenden Zyklone zu starken negativen Einfluss auf das Eisenbahnnetzwerk nehmen. Ein in 1929 gegründeter Untersuchungsausschuss entschied sich gegen die Elektrisierung. Auch in den 30ern tauchten neue Probleme auf. Die Zuckerernte wurde 1931 drastisch reduziert und ein katastrophaler Zyklon erreichte Mauritius. Dieses beeinflusste die Situation und wirkte sich positiv für den Wettbewerb anderer Transportalternativen aus. Schließlich sorgte der Ausbruch des zweiten Weltkrieges dafür, dass alle Passagiertransporte außer der Hauptlinie von Port Louis nach Curepipe, welche für Truppen- und Frachttransporte genutzt wurde, eingestellt wurden. Die Schwergutverordnung, die 1939 eingeführt wurde, regelte, dass Schwergut, darunter auch Zucker, nur noch via Schienen transportiert wurden durften. Dieses war eindeutlich ein letzter Rettungsversuch zu Gunsten der Eisenbahn.
Das letzte Ereignis, welche zehntausende von Passagieren warb war der Besuch der Prinzessin Margaret auf Mauritius in 1956. Die Central Line wurde aufwendig geschmückt für den Transport von insgesamt 24.000 Passagieren. Dennoch hatte der adelige Besuch keinen anhaltenden Einfluss auf die Eisenbahn. Die Öffentlichkeit suchte nach flexibleren Transportmöglichkeiten, der durch die Busse gegeben wurde. Es wurden individuelle Busservices durch die regionalen Betriebe eingeführt, wodurch das Ende der Passagiereisenbahn angeführt wurde. Nach und nach wurden wie gesagt die Eisenbahnlinien geschlossen. Die Post Louis Curepipe Line war dann schließlich die letzte Linie die 1956 geschlossen wurde. Seit diesem Jahr wurden die Züge ausschließlich für den Transport von Zucker von den Fabriken nach Port Louis genutzt. Diese Nutzung war allerdings alles andere als ökonomisch ertragreich, da der Zuckertransport nur Saisonal von Juli bis Dezember stattfand. Die Nichtnutzung in den restlichen Monaten führte daraufhin dazu, dass die Eisenbahnwagons zugute des öffentlichen Services genutzt wurden. Die Sitze und Bänke wurden für Schulen und andere Lehreinrichtungen genutzt. Einige Jahre später wurden die Schienen demontiert und ans Ausland verkauft. Mit dem Beginn des 21ten Jahrhunderts wurde sogar ironischerweise schon wieder über alternative Transportmethoden zur Straße nachgedacht. Auf Grund der kleinen Landesfläche Mauritus wird mehr und mehr über die Einführung einer Schmalspurbahn gesprochen. Jedoch gibt es noch keine Anzeichen einer Konkretisierung dieser Idee. Wir werden sehen…